Physiotherapie: Unentbehrlich, volkswirtschaftlich bedeutend und unangemessen schlecht honoriert

Masseure und Physiotherapeuten – Berufsgruppen zwischen den Mühlsteinen

Mit rund 27 Prozent sind Verletzungen und Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparats an den Ursachen für Fehltage beteiligt. Zu rund der Hälfte geht es dabei um Rückenschmerzen – sie spielen die größte Rolle in diesem volkswirtschaftlich wesentlichen Kostenblock, gefolgt von Gelenkerkrankungen und Leiden an Muskeln und Sehnen. Das volkswirtschaftliche Gesamtschadensvolumen wird auf etwa 40 Mrd. Euro geschätzt, davon gehen rund 17 Mrd. allein auf das Konto der Rückenprobleme, die 2012 für rund 40 Millionen Fehltage ursächlich waren. In die Schadenssumme werden „direkte Kosten“ für medizinische Maßnahmen ebenso einkalkuliert wie „indirekte Kosten“ durch Arbeitsunfähigkeit, Produktivitätsverluste und Frühberentung.
Ganz gleich ob die Behandlung (auch) operativ oder allein konservativ erfolgt, Physiotherapie ist unentbehrlich zur Versorgung der Patienten und zur Wiederherstellung von Beweglichkeit und Belastbarkeit des Rückens und der Gliedmaßen. Nach der Kurativen Behandlung werden Physiotherapeuten zunehmend tätig im Bereich des Rehabilitationssports und der Präventionsmaßnahmen u.a. am Arbeitsplatz. Sie leisten damit einen wertvollen Beitrag zur Sicherung der Erwerbskraft für Millionen Erwerbstätige.
Der volkswirtschaftlichen Bedeutung der Arbeit der Physiotherapeuten zum Erhalt und zur Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit wird die Vergütung, die den Praxen zufließt, bei weitem nicht gerecht. Beispiel: die Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) zahlen einer Praxis für eine Krankengymnastik mit einer Dauer von 20 Minuten in den Alten Ländern im Schnitt 15,10 und in den neuen Ländern 13,40 (Stand Ende 2014) an die Praxis – da bleibt nach Abzug der Kostenanteile für Miete, Nebenkosten, Abschreibung auf Praxisausstattung, Kommunikation, Verwaltung usw. für das Gehalt der Therapeuten zuzüglich Sozialabgaben-Arbeitgeberanteil nicht viel übrig. Die Einstiegsgehälter liegen in den Alten Bundesländern bei rund 1.600 Euro brutto bei Vollzeit, in den Neuen Bundesländern deutlich darunter, weil die Krankenkassen hier für gleiche Leistung geringere Vergütungen zahlen – eine Diskriminierung von Therapeuten und Patienten in den Neuen Ländern. Der VDB-Physiotherapieverband fordert daher eine bundesweite Durchschnittsvergütung von 75,- pro Therapiestunde für die Praxen, denn es kann nicht akzeptiert werden, dass die Heilung von Menschen geringer honoriert wird als die Reparatur von Elektro- und Gasleitungen.

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